Sicherheit im Wohnmobil – Teil 3 – Ausstattung gegen eilige Langfinger

In unserer 4teiligen Reihe über „Sicherheit im Wohnmobil“ beschäftigen wir uns im
3. Artikel mit verschiedenen Produkten, die die naturgemäss in Eile befindlichen Langfinger abhalten und beschäftigen sollen, damit ihnen dadurch keine große Beute gelingen kann. Was macht unserer Meinung nach an Ausstattung Sinn und was macht nur den Anbieter reich? Wir klären auf.


Der Marktplatz der “Sicherheitsprodukte” ist riesig und das Angebot schier unüberschaubar. Ohne Probleme kann man hier für entsprechendes Geld sein gesamtes Wohnmobil für alle Eventualitäten aufrüsten.

Zusatzschlösser, Alarmanlage, Gaswächter, Lenkradschloss, Kontaktmatte, Sperrgitter am Fenster, gepanzertes Außenrollo, fest eingebauter Safe, ein „echter“ Hund, Geräuscherzeuger „elektronischer Hund“, etc. ….

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Doch ob all diese Ausstattungen in der Realität tatsächlich einen praktischen Nutzen entfaltet, lässt sich häufig nur schwer nachweisen. Kaum einer überwacht sein Fahrzeug per Webcam und zählt die vermeintlichen Diebe, die um das Womo herumschleichen, die Aufbauschlösser inspizieren, das Lenkradschloss erspähen, beim Hundeknurren zusammenzucken und schließlich bei der losheulenden Alarmanlage das Weite suchen.Ninja  Und letztere ist erwiesener maßen ein Sensibelchen und tutet auch so manch harmlosen Spaziergänger, Hund, den Wind oder den kuschelnden Reisegefährten auf der Fähre an, sehr zum Beschämen des Besitzers (oder eben auch nicht).

Wenn man berücksichtigt, dass der eigentliche Schutzmechanismus in unseren Köpfen abläuft und dann noch eine Kosten-Nutzen-Analyse anstellt, schrumpft der notwendige Umfang an Sicherheitsausstattung und die entstehenden Kosten auf ein erträgliches Maß herunter.

Zusammen mit den Verhaltensregeln aus unserem 2. Beitragsteil „Unsere 15 Verhaltensregeln“, halten wir folgende Ausstattung für sinnvoll:

Der Womo Knackerschreck
Ein Lenkradschloss, welches Fahrer- und Beifahrertür gleich mit sichert.

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Die seitlichen Fensterscheiben im Cockpit sind Haupteinfallstor für Langfinger. Ist die Seitenscheibe zerstört, können die Türen nicht mal eben durch ein Hineingreifen entriegelt werden. Die Diebe müssen also durch das Fenster einsteigen. Das ist viel auffälliger und kostet etwas Zeit. Gegebenenfalls angeln sie von außen nur nach dem Handschuhfach und begnügen sich mit dem, was sie darin vorfinden. Auch können sie nicht mal eben schnell wegfahren. Sie müssen in jedem Fall zunächst das Lenkradschloss und dann noch Zündschloss, sowie die elektronische Wegfahrsperre knacken. Ein Diebstahl des gesamten Fahrzeugs ist jedoch eher selten das Ziel der Attacke.

Wir nutzen seit vielen Jahren, vor allem im Ausland, den Womo Knackerschreck am Tage bei Ausflügen. Die gut sichtbaren roten Stangen zeigen dem Eindringling gleich, dass es hier nicht leicht wird, das Fahrzeug zu übernehmen.

Riegelschlösser
In heimatlichen Gefilden sind wir bei der Montage des Knackerschrecks etwas faul geworden. Bei der Neubeschaffung unseres derzeitigen Fahrzeugs bot sich daher für uns die Gelegenheit, als schnellen Sicherheits-Komfort, Riegelschlösser von HEOSafe innen an den Fahrerhaustüren einbauen zu lassen.

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Sie werden mit einer Teildrehung verriegelt und können zusätzlich mit einem Schlüssel blockiert werden. Das bietet sich vor allem an, wenn’s mal schnell gehen soll.

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Zusatzschlösser an Aufbautüren dienen der Absicherung beim Verlassen des Fahrzeugs und stellen ebenfalls einen Zeitfresser im Zeitmanagement des Diebes dar. Sie bieten allerdings durchaus Potential für deutlich höhere Einbruchsschäden. Im Alltagsbetrieb kann das Auf- und Abschließen auch mal Zeit und Nerven kosten und der Schlüsselbund wird auch nicht leichter.

Bildquelle: www.heosolution.de

Fahrzeugtresore
Im Fahrzeuginneren bietet Schutz vor Plünderung nur das Mitführen der wichtigsten Objekte beim Verlassen des Fahrzeugs und gegebenenfalls ein fest verbauter Safe. Die Auslage der ausgemusterten, technischen Zweitausstattung, mag helfen, eine falsche Fährte zu legen und bietet möglicherweise Schutz vor Frust-Vandalismus eines enttäuschten Plünderers, der gar nichts vorfindet.

Da ein Safe einerseits fest mit dem Fahrzeug verbunden sein muss, andererseits aber auch ein entsprechender Ort vorhanden sein muss, haben sich zwei Einbauvarianten bewährt. Unter dem Fahrersitz findet sich im Sitzsockel vieler Fiat Ducato Modelle genügend Platz um einen Safe einzubauen. Es ist zwar etwas umständlich bei dem Befüllen oder der Entnahme, dafür sind die Kosten überschaubar und der Einbau ist schnell erledigt.

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Bei anderen Fahrzeugen bietet sich meist noch ein Staufach im Podest im Bereich der Dinette an. Wichtig ist hier eine stabile Verbindung zum Fahrzeugrahmen. Daher ist die Montage aufwändiger. Der Vorteil: Man hat einen komfortableren Zugriff auf den Inhalt.

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Aufhebelschutz für Aufbaufenster
Sogenannte Sperrstangen von Oelmühle sind für die Ausstellfenster bei Alleinreisenden oder an Zielorten mit hoher Gefährdungslage eine Überlegung wert.
Anmerkung vom 12.03.2016: Oelmühle hat leider zwischenzeitlich aus Altersgründen den Geschäftsbetrieb eingestellt. Gewährleistungsansprüche sowie Ersatzteilversorgung sollen aber weiterhin sichergestellt sein.

Folgende Ausstattungsmerkmale konnten uns bisher NICHT überzeugen:

Alarmsysteme
Wir finden, sie sind unglaublich teuer und störanfällig. Sie nerven die Nachbarn oder den nächtlichen Schlaf. Wer auf Abschreckung durch Lärm setzt, könnte kostengünstiger eine Alarmmatte

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oder in der Nacht einen manuellen Schutz-Alarmgeber versuchen, der anstelle von Batterie mit Druckluft funktioniert.

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Gaswarner (ein Mythos stirbt nie)
Diebe sind schnell und leise. Das Einleiten von Gas erfordert besonderes Equipment und eine gute Zugangsstelle. Dazu ein spezifisches Wissen über Gas, Dosis, Wirkung etc. Viele sich darum rankende Geschichten sind schlicht dem Umstand geschuldet, dass sich Fernfahrer nach Diebstählen nicht erklären konnten, dass sie nicht aufgewacht sind. Die Annahme, dass ihnen bei der Abendmahlzeit oder dem Bierchen auf der Raststätte KO-Tropfen verabreicht wurden, ist jedoch sehr viel wahrscheinlicher. Darüber hinaus sind die Geräte technisch nicht in der Lage, zuverlässig Narkosegase zu identifizieren. Leckagen in der bordeigenen Gasanlage können zwar aufgespürt werden (Propan/ Butan), jedoch ist hier ein Schutz durch Betätigen der verbauten Absperrventile sowie die 2-jährliche Prüfung der Gasanlage völlig ausreichend. Gegen eine Konzentration von Kohlenmonoxid beim Kochen auf dem Gasherd hilft schlicht, stets ein Fenster einen Spalt breit zu öffnen.

Ortungssysteme
Diebe, die mit dem Ziel antreten, ein komplettes Fahrzeug zu stehlen, müssen bei Wohnmobilen neuerer Bauart seit langem über ein hohes technisches Know-how verfügen, um allein die elektronischen Wegfahrsperren zu überwinden. Eher unwahrscheinlich, dass das Ausschalten einer Elektronik zum Orten da noch eine Schwierigkeit darstellt.

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Und schließlich der Hund
Sich als reine Sicherheitsausstattung zum Wohnmobil einen Hund anzuschaffen wäre wohl etwas weit gegriffen Zwinkerndes Smiley. Und wer schon eine Fellnase im Familienrudel mitführt, hat diese vermutlich nicht überwiegend zur Abschreckung von Langfingern und bösen Übeltätern gewählt, sondern nach Herz und Sympathie entschieden. Insofern ist es hier eher dem Zufall überlassen, ob “Bello” zu den Hütern und Beschützern gehört und aufgrund seiner Erscheinung und seines Auftretens ungebetene Gäste abzuschrecken vermag. Ob der gut vorbereitete Dieb von heute für alle Fälle etwas Leberwurst aus der Tasche zaubert, um schnell tierische Freundschaften zu schließen, entzieht sich leider unserer Kenntnis.Hund

Fazit
Das richtige Maß an Sicherheitsausstattung zu finden braucht etwas Zeit. Sich zu Anfang gleich “alles was geht” ins Fahrzeug zu knallen, verschlingt vor allem Geld und Zeit. Mit steigender Erfahrung und beim Durchlaufen einer möglichen Entwicklung vom sicheren “Hafen” des Campingplatzes, über Stellplätze bis hin zum freien Stehen kristallisiert sich immer mehr die Essenz des Notwendigen für jeden Einzelnen heraus. Je mehr Zeit ein Langfinger aufwenden muss, um an sein Ziel zu gelangen, desto eher zieht er weiter und sucht sich ein schnelles Opfer!Flirten - Mann


Im 4. und letzten Teil „Logenplätze im Kopfkino“ zeigen wir auf, wozu unsere eigene Gedankenwelt (Kopfkino) in der Lage ist, Situationen zu dramatisieren oder ihnen den Schrecken zu nehmen.
Wir geben Hinweise und Tipps, wie man diese „Dämonen“ im Geiste leiser oder gar zum Schweigen bekommen kann!

Über Volker

Hi, ich bin Volker vom Reiseblog UMIWO!Ich bin als Teilzeitreisender seit 2005 mit dem Wohnmobil in Europa unterwegs. UMIWO versorgt Campingbegeisterte mit Reise- und Testberichten auf unterhaltsame, humorvolle und authentische Weise. Ich verbinde meine Internetaffinität mit meiner Leidenschaft, zusammen mit meiner Ehefrau mit dem Wohnmobil in Europa zu reisen. Da uns diese Reisen sehr inspirieren, möchte ich die Erlebnisse, Eindrücke und Emotionen in diesem Blog ausdrücken und so den “Spirit” mit anderen teilen. Feedback, Kommentare und Live-Kontakte bereichern darüber hinaus mein Wissen, Entwicklungsmöglichkeiten und setzen Anreize für künftige Ziele.Mit über 400 Artikeln und mehreren Hundert Fans auf diversen sozialen Plattformen ist UMIWO.de ein in der deutschsprachigen Blogosphäre bereits seit 2010 geführter Blog.

6 Replies to “Sicherheit im Wohnmobil – Teil 3 – Ausstattung gegen eilige Langfinger”

  1. werner bareiss

    können sie uns sagen ob es was gegen einbruch für schiebefenster auf der beifahrerseite gibt so wie eine teleskopstange oder ähnliches für einen tip wären wir dankbar fam. bareiss

  2. Michael

    Das schreibt ÖHLMÜHLE:

    Aus Altersgründen stellen wir den Geschäftsbetrieb ein.

    Wir danken unseren Kunden für jahrelange Treue.

    Selbstverständlich werden Gewährleistungsanprüche weiterhin bedient.

    Ebenso ist die Ersatzteilversorgung

  3. Pingback: Sicherheit im Wohnmobil -Teil 4 – Logenplätze im Kopfkino | UMIWO – unterwegs mit dem Wohnmobil

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