Vom verschwitzten Büro ins herbstfrische Nordfriesland

Und wenn man schon gar nicht mehr damit rechnet, ist er plötzlich da, der Urlaub! Los geht’s gen Norden über die Bremer Route Richtung Elbe und auf die Fähre. Der Norden ruft, wir kommen!



Eben noch Tag für Tag im Büro gar gekocht bei spätsommerlichen Rekordtemperaturen, sind wir nur spärlich vorangekommen, mit unseren Reisevorbereitungen, so dass wir tatsächlich den ersten Urlaubstag zur Hälfte mit Packen und Räumen verbringen.

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Erschöpft von geleisteter Arbeit und vom Aufrüsten des Womos ohne Packliste  😉 ringen wir den Landstrassen schließlich nur noch knappe 80 Kilometer gen Norden ab, als wir in vertrauter Umgebung spontan beschließen, die Nacht auf dem Stellplatz von Bruchhausen-Vilsen (zum UMIWO Stellplatzbericht)  zu verbringen. Von hier aus sind es am nächsten Morgen nur noch wenige Kilometer bis nach Bremen Stuhr, zum Outletstore von Wolters Cat&Dog.

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Gemma benötigt dringend ein weiteres, hochwertiges Ersatzgeschirr, da sie kürzlich die Unsitte aufgenommen hat, sich nur allzu gern an Grünstreifen und Wiesenrändern genüsslich im Gras zu wälzen – Gott sei Dank nicht in Schitte oder Aas, aber im Laufe von Tagen kommt so doch eine gewisse Geruchskomprimierung zusammen, die den Aloe-Vera-Duft eines frisch gewaschenen Geschirrs irgendwann überlagert. Und jeden Abend ihr Geschirr auswaschen verträgt sich nicht mit chilliger Urlaubsfaulheit.

Bis wir ihr diese Unart mit strengen Störgeräuschen wieder ausgetrieben haben, setzen wir auf das Zweitgeschirr. Wenn ihr übrigens von weitem ein Gespann aus zwei Menschen plus kleinem, schwarzem, wuseligen Hund ausmacht und dazu ab und an, leicht an Tourette erinnernde kurze, knackige „Äh“- Laute, dann sind das wir – beim erfolglosen und inkonsequenten Versuch, das Wälzen auszumerzen 😀

Wir überqueren den Nord-Ostsee-Kanal bei Brunsbüttel

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und erreichen unsere erste Station mit frischer Meeresbrise in der Nase schließlich in der Meldorfer Bucht in Dithmarschen.

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Die ersten Speicherkooge beweisen uns, dass die Nordsee nicht mehr weit ist.

Hier standen wir vor einigen Jahren bereits mit unserem ersten Wohnmobil, dem kleinen Hochdach-Hymer, direkt am Surfer-Koog.

Wind, Wasser und WoMo...

Heute peilen wir den Parkplatz der Badestelle am Elpersbüttler Strand an.

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Hier ist das Übernachten in den durch Sträucher und niedrige Bäume getrennten Parkstreifen auf Wiesenuntergrund für 4 Euro die Nacht gestattet.

Leuchtend orange Sanddornfrüchte durchziehen die Hecken überall und locken pflückwillige Sanddornliebhaber mit Astscheren und zu füllenden Beuteln an.

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Der Deichaufgang ist an dieser Stelle leider für Hunde verboten.

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Aber dennoch ist der Standplatz ideal. Viel Platz und nur wenige andere Camper verteilen sich großzügig auf die einzelnen Parkkojen. Wir können Gemma frei laufen lassen und Bällchen werfen.

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Abends geht’s noch mal auf den Deich zum Genießen der fantastischen Wattfarben.

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Wer von Euch sieht auch in der Wolke einen Hund?

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Am nächsten Morgen fangen wir die Energie der Sonne mit unserem faltbaren und mobilen Solarpaneel ein und verpassen Volker noch den obligatorischen Outdoor-Urlaubshaarschnitt, passend zum trendigen weißen Umhang 😉

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Uns umfängt sofort der Charme der friesischen Weite, als wir uns weiter auf den Weg nach Norden machen.

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Neben Schafen stellt man jetzt wegen der Abwechslung auch mal was anderes aufs Feld, in Farbe.

Als wir noch einen Wohnwagen besassen und dieser für eine Saison fest in St.-Peter-Ording stand, besuchten wir bereits für einen Tagesausflug unser heutiges Ziel, Friedrichstadt.

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Der Wohnmobilstellplatz Halbmond bietet 45 Plätze und verfügt über eine großzügige überdachte V/E-Station.

Das Bezahlsystem ist der kleine Bruder von dem in Eckernförder zuletzt vorgefundenen (siehe Bericht) :-). Eigentlich einfach, wenn man alle Informationen auf den langen und bebilderten Erklärungsplakaten geschluckt und verarbeitet hat. Andererseits aber für kognitiv unterdurchschnittliche Anreisetage oder schlaftrunkene Erstduschen am ersten Morgen durchaus für die eine oder andere Überraschung gut.

Leider fehlt es in der Nähe an ausreichenden Hundespazierwegen oder -flächen.

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Der zum Stellplatz gehörige und vollmundig betitelte Hundeplatz stellt sich als überdimensionierte, eingezäunte Sandkiste von vielleicht 50 oder 60 qm heraus, wo das Geschäft versickern darf und man die vor hellem Untergrund gut zu sehenden Kackwürste gut auflesen kann. Also eigentlich ein großes Hundeklo. Zum Spielen und Toben lädt das nicht gerade ein.


Besuch der Altstadt

Vom Wohnmobilstellplatz ist man in nur wenigen Gehminuten direkt in der Altstadt und kann die alten schnuckeligen Backsteinhäuser bewundern.

Friedrichstadt
Die Stadt Friedrichstadt (dänisch Frederiksstad, friesisch: Fräärstää, plattdeutsch: Friesstadt, Frieestadt, niederländisch Frederikstad aan de Eider) liegt zwischen den Flüssen Eider und Treene im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein. Der Luftkurort bildet mit dem Amt Nordsee-Treene eine Verwaltungsgemeinschaft, das Amt führt die Geschäfte der Stadt. Friedrichstadt wurde 1621 durch den gottorfschen Herzog Friedrich III. gegründet und ist heute ein hochrangiges Kulturdenkmal. Herzog Friedrich III. zielte auf die Errichtung einer Handelsmetropole und holte dazu niederländische Bürger, besonders die verfolgten Remonstranten, an den Ort und gewährte ihnen Religionsfreiheit. Infolge dieser Maßnahme siedelten sich auch Mitglieder vieler anderer Religionsgemeinschaften in Friedrichstadt an, so dass der Ort als „Stadt der Toleranz“ galt. Heute sind noch fünf Religionsgemeinschaften aktiv. Die Bauten der niederländischen Backsteinrenaissance und Grachten prägen das Stadtbild des heute vor allem vom Tourismus lebenden „Holländerstädtchens“ mit knapp 2.500 Einwohnern. (aus Wikipedia)

Auf dem Marktplatz von Friedrichstadt gibt man heute den „Herbstzauber“. Die umliegende Gastronomie teilt sich dafür den Platz mit zusätzlichen Wurstbuden, ein paar Spielgaudis für Kinder und einer kleinen Bühne, auf der, gerade als wir uns ein Eis im Café Pinocchio holen, einige Damen in einheitlicher Uniformierung mit Cowboyhüten zu unterschiedlich stimmungsvoller Musik enthusiastisch händeklatschend mehrere Choreografien des Line-Dance darbieten. Sind wir begeistert? Mit einem „Pinocchio-Eis“ in der Hand verweigern wir die Antwort 😉

Dunkle Wolken ziehen auf und mahnen wie jedes Jahr um diese Zeit im September den herbstlichen Wetterwechsel an. Es wird frisch.

Zum Sonnenuntergang sind wir zurück an unserem Blogger-Instrument und verbreiten unsere Eindrücke in die Welt. Am beschrankten Eingang zum Platz sind wir eben noch auf den Schmunzler des Tages gestoßen:

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Die Ampel steht auf Rot, wenn der Platz voll ist. Also soll man davor parken und warten, bis jemand abfährt, was wahlweise bis zum nächsten Vormittag dauern kann, um dann bei grüner Ampel durch die sich hoffentlich öffnende Schranke zu fahren, denn nur diese kommt als Ursache für „Schäden am Fahrzeug“ in Frage. Oder öffnet sich die Schranke auch, wenn der Platz voll ist und man muss sich dann aber auf jeden Fall nach der roten Ampel richten? Denn man würde vielleicht im Dunkeln auf einen bereits belegten Platz fahren? Also die Ampel war grün, als wir ankamen, aber die Schranke geschlossen…..hmh, dass könnte doch viel eher zu einem Missverständnis führen, oder…?!? Es sollen schon Menschen beim Grübeln vor roten Ampeln oder merkwürdigen Schildern dahingeschieden sein… 😀

Gute Nacht Klein Amsterdam.

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