Herbst-Workation Teil 2 – Vom Odenwald bis Pfalz – Wenn die Räder sich nicht mehr drehen 

Zurück am Wohnmobil in Reichelsheim gab es erst einmal ein besonders gemütliches Frühstück. Claudia hat mal wieder ihre leckeren glutenfreien Pancakes gezaubert, die bei uns etwa einmal die Woche auf den Tisch kommen und die wir jedes Mal sehr genießen. Da es draußen kräftig regnete, dehnten wir das Frühstück aus und machten es uns drinnen so richtig gemütlich.


Vor der Weiterfahrt nutzten wir noch die recht gute Ver- und Entsorgungsstation des kostenlosen Stellplatzes in Reichelsheim. Trotz des Regens erledigte ich schnell das Grauwasser und leerte die Toilette. Selbst die lauten Glascontainer – deren Leerung durch die Müllabfuhr bereits morgens um 7:00 Uhr lautstark von Ernie mit Bellen kommentiert worden war (solche lauten Geräusche mag er gar nicht) – erwiesen sich als nützlich: So konnte ich direkt noch unsere ausgetrunkene Weinflasche fachgerecht entsorgen.


Gleich am Ortsausgang von Reichelsheim machten wir noch einen Zwischenstopp beim Aldi Süd. Wie viele von euch wissen, ist Claudia ein großer Aldi Süd-Fan! Dort gibt es einfach einige tolle Produkte, die wir bei unserem heimischen Aldi Nord in der Region Hannover leider nicht bekommen, weshalb sie solche Einkäufe im Süden immer sehr genießt.


Frisch eingedeckt ging die Fahrt weiter zu unserer nächsten Station: Michelstadt.
Hier steuerten wir den recht großen und ebenfalls kostenlosen Wohnmobilstellplatz (Großparkplatz „Altstadt“) direkt an der B45 an. Tagsüber ist der Platz allerdings nicht gerade leise: Neben dem ordentlichen Verkehr auf der Bundesstraße B45 kurven auf dem Areal viele PKWs und LKWs herum. Unter anderem übt hier eine Fahrschule, und durch nahegelegene Bauarbeiten herrschte mit weiteren LKWs und Radladern einiges an Betrieb.

Ruhig war es gestern bei unserer Ankunft also nicht unbedingt. Dafür steht man hier kostenlos, es gibt Strom sowie eine Ver- und Entsorgung (wobei das Grauwasser hier nicht über einen Bodeneinlass abgelassen werden kann).
Den restlichen Mittag und Nachmittag verbrachten wir angesichts des ununterbrochenen Regens erst einmal entspannt und gemütlich im Wohnmobil. Erst kurz bevor es dunkel wurde, zogen wir uns wetterfest an und machten uns auf den Weg nach draußen – schließlich musste Ernie auch noch zu seinem Recht und einer großen Runde kommen und haben uns bei der Gelegenheit noch die Altstadt von Michelstadt angeschaut.

Und die ist wirklich wunderschön! Tolles Fachwerk, eine beeindruckende historische Stadtmauer und ein stimmungsvoller Burggraben – genau das, was uns unterwegs am meisten Spaß macht. Auch wenn das Wetter eher bescheiden war und die Dämmerung langsam einsetzte, hatten wir noch eine richtig schöne kleine Runde mit Ernie.

Weil es uns so gut gefällt, haben wir am nächsten Morgen bei blauem Himmel noch ein paar schöne Ecken entdeckt.


Trotz der lauten Geräuschkulisse tagsüber haben wir auf dem Stellplatz letztlich recht gut geschlafen. Gestern Abend hat dann auch glücklicherweise endlich der Regen aufgehört. Heute Morgen begrüßten uns allerdings frische 7 °C, sodass unsere Heizung im Wohnmobil gleich von der ersten Minute an ordentlich arbeiten musste.


Nach unserem morgendlichen Spaziergang kehrten wir zum Wohnmobil zurück und trauten unseren Augen kaum: Vor einem weißen Kastenwagen standen zwei Männer in kompletten weißen Schutzanzügen und Atemschutzmasken. Sie begannen gerade, das uns gegenüberstehende Wohnmobil auszuräumen.
Schon am Vortag hatten wir ein mulmiges Gefühl bei diesem Fahrzeug gehabt. Es wirkte völlig unbewohnt, es regte sich absolut nichts, und merkwürdigerweise standen die Schlösser der Stauklappen offen – was unter Camper-Kollegen, besonders auf einem städtischen Großparkplatz, doch sehr ungewöhnlich ist.
Schon während unseres Frühstücks hatten wir bemerkt, dass Bewegung um das Mobil entstand. Jemand versuchte, die Aufbautür zu öffnen, und sprach mit zwei weiteren Personen. Wie sich herausstellte, handelte es sich um ein spezialisiertes Reinigungsteam für Extremfälle – eine Tatort- und Tatortreinigung bzw. Entrümpelungsfirma, die üblicherweise gerufen wird, wenn nach Todesfällen Wohnungen professionell beräumt und desinfiziert werden müssen.


Als die beiden Männer mich sahen, sprachen sie mich direkt an. Da sie mit der Technik eines Wohnmobils nicht vertraut waren, hatten sie ein paar praktische Fragen – unter anderem, wie man die Toilettenkassette aus dem Schacht entnimmt. Ich ging kurz rüber, um es ihnen zu zeigen. Doch im Fach bot sich ein trauriges Bild: Die Kassette war völlig überfüllt und saß felsenfest im Schacht – an ein normales Herausziehen war nicht zu denken. Ein entsprechender, sehr unangenehmer Geruch stieg uns entgegen.

Eigentlich hatten wir ja geplant, noch eine weitere Nacht in Michelstadt zu bleiben – schließlich standen das Abendprogramm mit dem schottischen Folksänger und eine glutenfreie Pizza auf unserem Plan. Aber diese bedrückende Situation vor Ort hat uns letztlich doch die Laune verhagelt. Wir entschieden uns kurzerhand, weiterzuziehen.

Unser erster Stopp war der knapp zwei Kilometer entfernte, ebenfalls kostenlose Wohnmobilstellplatz in Erbach. Allerdings war auch hier ordentlich Betrieb, und wir konnten uns einfach nicht recht aufraffen, zu bleiben. Zu allem Überfluss war die Ver- und Entsorgungsstation außer Betrieb und defekt. Wir wollen auf jeden Fall noch einmal wiederkommen, um uns das Schloss Erbach anzuschauen – ob wir dort dann allerdings übernachten werden, steht aktuell noch in den Sternen.


So ging die Fahrt weiter – und führte uns zurück nach Bad König, wo wir ja schon zu Beginn unserer Odenwald-Tour gelandet waren. Auch jetzt stehen wir wieder hier und werden die Nacht verbringen. Der Platz ist allerdings recht laut – vermutlich der lauteste unserer bisherigen Tour. Er liegt direkt an einem Bahndamm, wo regelmäßig Personenzüge entlangbrausen. Zudem gibt es hier eine Ampelwechselschaltung wegen einer einspurigen Bahnunterführung: Busse, LKWs, Gespanne und PKWs drängen sich pausenlos durch dieses Nadelöhr. Für uns ist es gerade so erträglich, aber wir hoffen sehr, dass es zumindest in der Nacht etwas ruhiger wird.
Am Nachmittag habe ich mich dann noch auf eine kleine Fahrradtour begeben – die letztlich wieder in einem kleinen Abenteuer mündete! Ich habe mir Claudias SUV-E-Bike geschnappt und bin damit 31 Kilometer nochmal durch den Odenwald gedüst.

Bei recht frischem Wind – den ersten spürbaren Vorboten des Sturms, der für morgen angekündigt ist – wollte ich das Rad noch einmal ausgiebig testen. Die Motorunterstützung bei Steigungen hatte mich bisher nicht vollends überzeugt, was sich auch heute wieder bestätigte: Der Schub war kaum spürbar, da muss definitiv noch mal drübergeschaut werden.


Doch es kam noch dicker: Plötzlich fing der Motor beim Treten lautstark an zu jaulen und zu kreischen! Irgendetwas stimmte da ganz gewaltig nicht.

Was ist denn hier los?

Da mir das Risiko eines Totalschadens am Elektromotor bei diesen Geräuschen zu hoch war, schaltete ich den Antrieb aus und musste die letzten 5 Kilometer komplett aus eigener Muskelkraft zurückstrampeln.


Wieder zurück am Wohnmobil habe ich gleich noch einmal einen Deruiz Fahrradhändler nahe unseres Wohnortes angerufen und werden nach unserer Workation dort das E-Bike zur Reparatur auf Garantie mal vorbeibringen. Seid ihr auch gespannt, wie die Geschichte ausgeht?

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