UMIWO Homestory #1: Werksbesichtigung und Reiseblogger-Treffen bei Westfalia

In Rheda-Wiedenbrück steht die Wiege unseres Campingbusses Westfalia Columbus 600 D, bei der Westfalen Mobil GmbH, kurz „Westfalia“. Ein bunt gewürfeltes Grüppchen von Reisebloggern darf heute auf Einladung von Westfalia einen Blick hinter die Kulissen werfen und die Neuheiten der Westfalia-Mobile Modellreihe 2017 bestaunen, die dann beim kommenden Caravan Salon 2016 in Düsseldorf der breiten Masse live vorgestellt werden.

Das sprichwörtliche Ei des Columbus kennt jeder. Wir jedoch begeben uns heute auf Spurensuche  in die Keimzelle, den Ursprung – ja in den „Genpool“ des Columbus!

Für uns als überzeugte Westfalia-Fahrer eine überaus spannende Gelegenheit, den Werdegang unseres Kastenwagens nachzuvollziehen. Aus den social medias bekannte Reiseblogger treffen wir live, können Netzwerken, sowie uns der schweren Aufgabe stellen, Begehrlichkeiten weckenden, coolen Neuerungen für 2017 mit Standhaftigkeit und Treue zu unserer „Rosi“ zu begegnen. 🙂

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Thorsten Heuel, seit 01.04.16 neuer Sales Manager für Nordeuropa bei Westfalia und selbst Reiseblogger, vielen bekannt als Dr Camp, ist Urheber für diese Zusammenkunft. Viele Camper interessieren sich für einen Blick in die Produktion, wollen wissen, wie so ein Fahrzeug genau entsteht und warten auf manche Neuerung im Detail, die sie schließlich zum Kauf bewegt. Verständlich, dass der Wissensdurst einzelner Interessierter nicht direkt an der Produktionsstätte gestillt werden kann. Heute jedoch dürfen wir Auge und Ohr der Netzgemeinde sein und schreiben für Euch auf, was wir erlebt haben.

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Zusammen  mit den Kollegen von CamperStyle, 5 Reicherts, IsasWomo, Revolution4five, Takly on tour sowie Westaflia Digital Nomads betreten wir an diesem Samstag Morgen das Westfalia Gelände. Nur für uns sind die Modelle 2017 in einer Reihe neben der Produktionshalle vorgefahren. Doch zunächst geht es in einen kleinen Konferenzraum. Zahlen und Fakten lassen sich besser bei Kaffee und Brötchen verdauen.

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Eine kleine Vorstellungsrunde schwört die Gruppe ein, bevor Götz Rutenkolk und Matthias Hebeler (Marketing und Vertrieb) zusammen mit Thorsten Heuel, gestützt von einer Powerpointpräsentation, die Geschichte und Entwicklung des Unternehmens, sowie deren Ziele und Zahlen präsentieren.

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Die Geschichte Westfalia

1844 wurde das Unternehmen von der Familie Knöbel als Schmiede für Pferdekutschen gegründet. 1926 folgte das Patent zur Anhängerkupplung. 1935 entstand der erste Wohnanhänger. 1951 wurde der weltweit erste Campingbus auf VW Bulli gebaut. Und dies eigentlich nur, weil (der Legende nach) in der Besatzungszeit ein britischer Major, der viel zu reisen hatte, gerne komfortabler mit seinem Bulli unterwegs sein wollte. So baute man ihm den ersten Westfalia Campingbus in modularer Weise in seinen Bulli.

1999 wurde das Unternehmen in drei Bereiche aufgeteilt: Campingfahrzeuge, Anhängerkupplungen und Werkzeuge. Die Westfalia Automotive baut ihre Anhängerkupplungen nur durch einen Zaun getrennt, gleich nebenan.

2001 kaufte Daimler die Campingbusfirma auf. Durch den Wechsel beim VW Modell T4 zu T5 verlor Westfalia die California-Produktion. 2008 verkaufte Daimler das Unternehmen an die „Heuschrecke“ Aurelia. Durch die Weltwirtschaftskrise 2008/9 geriet auch Westfalia unter Druck, rutschte 2010 in die Insolvenz und wurde schließlich von der Rapido-Gruppe übernommen.  Pierre Rousseau ist Gesellschafter und gleichzeitig Geschäftsführer dieses personengeführten Unternehmens und häufig bei Westfalia in Rheda-Wiedenbrück vor Ort.

2015 erfolgte die Umbenennung in Westfalen Mobil GmbH. Die Modelle Jules Verne und Keppler werden seit dem bei Rapido in Frankreich gefertigt.

Ab 2011 erfolgte der Aufbau eines eigenen Händlernetzwerks als Säule für das Eigenfahrzeuggeschäft. Westfalia kauft seitdem selbst Trägerfahrzeuge und baut diese dann zu Campingbussen aus, wie den Club Joker, Columbus oder den Amundsen. Dabei wird Wert darauf gelegt, dass die Westfaliamobile nicht als eines unter vielen anderen Marken bei großen Händlern untergehen, sondern dass sie die Aufmerksamkeit erhalten, die ihrer Qualität gerecht wird und gut informierte Ansprechpartner vor Ort Antworten auf eine Vielzahl von Fragen zu geben in der Lage sind. Die Präsenz in Europa konnte zwischenzeitlich gut etabliert werden und bietet in Großbritannien sogar 3 Exklusivhändler für Westfaliamobile auf. Waren sie in den 70er Jahren im amerikanischen Markt noch stark vertreten, ist dies aufgrund der heutigen Fahrzeugmodulation nicht mehr der Fall.

Zweites Standbein des Unternehmens ist das sogenannte OEM-Geschäft. Von der Automobilindustrie werden Ausbauten ihrer Trägerfahrzeuge beauftragt. Westfalia hat mit dem Vertrieb und dem Verkauf selbst aber nichts zu tun. Dies trifft auf den stückzahlenmäßig am meisten gebauten Marco Polo (Mercedes) und den Ford Nugget zu.


Die aktuelle Entwicklung in Zahlen mit Ausblick in die nahe Zukunft

Für 2017 plant Westfalia den Ausbau 600 eigener Fahrzeuge sowie 4.000 insgesamt incl. OEM. Aufgrund der guten Auftragslage wird ab Juli im 3-Schicht-Betrieb gearbeitet, wodurch sie an ihre Produktionsgrenze mit den bestehenden Anlagen und Hallen kommen.

Angestrebt wird in 2017 ein Umsatz von 80 Millionen Euro bei derzeit 250 Mitarbeitern, die noch um 30 zum neuen Geschäftsjahr aufgestockt werden.

Die Ausrichtung auf das Kastenwagensegment bleibt bestehen sowie der weitgehende Verzicht auf eine Automatisation. Der Fokus liegt weiterhin auf wertige Handarbeit geschulter Mitarbeiter. Dabei sind die Qualitätsanforderungen strikt geregelt und teilweise ISO-zertifiziert sowie gleichlautend mit den Standards der Fahrzeughersteller (im OEM-Geschäft).

Bisher hat Westfalia über eine halbe Million Fahrzeuge produziert.

Der allgemeine Anstieg der europaweiten Zulassungszahlen bei  Wohnmobilen führte bereits im  1. Quartal 2016 zu einem Plus von 17 %. In Deutschland sind es derzeit sogar 24 %! Darin sind Kastenwagen mit 38 % die am meisten wachsende Gruppe. Der Grund wird seitens Westfalia in der stärkeren Investition im Freizeitbereich gesehen, die durch die zurzeit niedrige Zinslage stark begünstigt wird. Auch die Nutzung als Alltags- und Zweitwagen in der Familie steigert den Nutzen eines Kastenwagens über den Freizeitbereich hinaus. Viele Wohnmobilisten steigen nach Jahren und Jahrzehnten von klassischen Wohnmobilen oder Linern, wegen des einfacheren Handlings, noch einmal auf einen Kastenwagen um.


Die Produktion in den historischen Hallen von Rheda-Wiedenbrück

In den Werkshallen herrscht striktes Fotografierverbot. Deshalb können wir leider keine eigenen Bilder aus der Produktion zeigen. Fehlende Freigaben der Fahrzeughersteller (Westfalia’s OEM-Partner) machen eine sichere Fotoverwendung unmöglich. Es schmerzt das Bloggerherz, den natürlichen Reflex zur Kamera zu greifen, unterdrücken zu müssen. Gerne würden wir einige Details aus unserem Blickwinkel zeigen. Eventuell erhalten wir später noch Archivbilder, die wir nachtragen können.

Den enormen Aufwand, in ein bereits bestehendes Fahrzeug einen Wohnraum einzubauen, können wir hier sehr eindrucksvoll sehen. Die Fahrzeuge werden äußerlich wie ein üblicher Transporter ohne Seiten- und Heckfenster angeliefert. Bereits ab Werk sind lediglich Westfalia’s Spezifikationen, z. B. im Bereich der Verkabelung, berücksichtigt.  In der sogenannten „Lärmbox“ erfolgt im 1. Produktionsschritt die Ausfräsung der Fensterausschnitte. Sämtliche angelieferten Einzelteile werden bei Westfalia zusammengesetzt, akribisch auf volle Funktion und Unversehrtheit geprüft, umfassend dokumentiert und in die Wagen eingebaut. Derzeit liegen über 10.000 Einzelteile am Lager, was eine enorme Logistik mit sich bringt. Pro Fahrzeug werden zwischen 2.000 und 4.000 Teile verbaut. Die Stellflächen auf dem Gelände erlauben eine Vorhaltung von bis zu 1.500 Fahrzeugen.

Westfalia hat beim Columbus und Amundsen zurzeit einen Output von insgesamt 4 Fahrzeugen pro Tag.


Die Modelle 2017

Danach können wir uns die neuen Modelle für 2017 anschauen und fotografieren. Einige davon werden auf dem Caravan Salon Ende August 2016 ausgestellt und bestellbar sein. Manches Detail ist auch hier schon wieder überholt und wird nicht oder noch nicht umgesetzt, steht also nur als Prototyp bereit. Wir haben den Eindruck, das die Köpfe der Entwickler ständig unter Strom stehen und sie permanent Ideen und Anregungen aufgreifen, Kinderkrankheiten versuchen abzustellen, Trends und Lifestyle in Westfalia typischer Weise ins Campingbus-Leben bringen. Auch wir haben als Columbusfahrer nicht gespart, eigene Anregungen oder Kritik zu äußern. Fotos und Details zum Columbus 600D Modelljahr 2017 gibt es hier im ausführlichen Bericht.

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Networking unter Bloggern

Nach einem leckeren Mittagessen bei hochsommerlichen Temperaturen in der Altstadt entlassen wir die Marketingabteilung nach einer arbeitsreichen Woche der Händler- und Pressetagungen nach diesem Bloggertreffen in ihr wohlverdientes Wochenende. Einzig Dr. Camp spaziert mit uns an der nächsten Eisdiele vorbei zum nahe gelegenen See im Flora-Westfalica-Park und geleitet anschließend unsere Truppe sicher wieder zu den abgestellten Campingfahrzeugen am Westfalia-Gelände, bevor auch er nach Hause zu seinen Lieben ins Wochenende startet. Dann bleibt noch Zeit fürs Netzwerken und zum Austausch unter Bloggern. Neue nette Kontakte sind schnell geknüpft.

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Vielen Dank an das Team von Westfalia!!! Dieser offene und unverstellte Blick in Eure Produktion und das Gefühl, dass Ihr Euch für die Wünsche und die Meinung Eurer Kunden/der Campingfans  interessiert, macht Euch sympathisch und bringt Euch näher an die Camper. Wir wissen das sehr zu schätzen, geben unsere Eindrücke auf diesem Weg gerne weiter und würden uns freuen, wenn der Kontakt in Zukunft nicht abreisst! Weiterhin gute Fahrt und viel Erfolg Westfalia!!!

Über Volker

Hi, ich bin Volker vom Reiseblog UMIWO.

Ich bin als Teilzeitreisender seit 2005 mit dem Wohnmobil in Europa unterwegs. UMIWO versorgt Campingbegeisterte mit Reise- und Testberichten auf unterhaltsame, humorvolle und authentische Weise. Ich verbinde meine Internetaffinität mit meiner Leidenschaft, zusammen mit meiner Ehefrau mit dem Wohnmobil in Europa zu reisen. Da uns diese Reisen sehr inspirieren, möchte ich die Erlebnisse, Eindrücke und Emotionen in diesem Blog ausdrücken und so den “Spirit” mit anderen teilen. Feedback, Kommentare und Live-Kontakte bereichern darüber hinaus mein Wissen, Entwicklungsmöglichkeiten und setzen Anreize für künftige Ziele.

Mit über 500 Artikeln und über 2.000 Followern auf diversen sozialen Plattformen ist UMIWO ein in der deutschsprachigen Blogosphäre bereits seit 2010 geführter Blog.

6 Replies to “UMIWO Homestory #1: Werksbesichtigung und Reiseblogger-Treffen bei Westfalia”

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    • Volker Autor dieses Beitrags:

      Hallo Thorsten, ja wir fanden den Tag auch sehr interessant und schön. Leider fehlte uns für alle Sichtungen der Fahrzeuge die Zeit. Klärst Du das bitte noch ab? Danke und VG Volker

  3. Mario

    Hi Volker,
    toller Beitrag zu einem offenbar gelungenen Event! Das klingt nach einem richtig spannenden Tag. Finde es cool, dass man sich seitens Westfalia da so stark den Nutzern und besonders euch gegenüber ‚öffnet‘. Tolle Aktion!
    Viele Grüße,
    Mario

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