Götterdämmerung mit Regenbogen und viele Rotkäppchen mit prickelnden Perlen – Weinregion „Saale-Unstrut“ Teil 4

Nebra begrüßt uns am Morgen mit Regen. Wie ein Wink des Komos sollen wir wohl in museale Gefilde getrieben werden, um der Himmelsscheibe endlich im Original gegenüber zu stehen. Und da wäre bilderbuchmäßiger Sonnenschein schließlich kontraproduktiv. Wir lassen uns Zeit, denn eigentlich lockt es uns nicht besonders, wieder in die Großstadt zu fahren.

Zunächst stoppen wir aber vis-a-vis des Nebraer Bahnhofs, auf der Suche nach passablem Internet-Empfang. Hier ist offensichtlich kein schnelles Vodafone-Land. Erst der Zugang über das Smartphone mit Telekom-Netz bringt unseren Laptop wieder mit umiwo.de in Verbindung.

Nach dem zweiten Frühstücks-Kaffee begeben wir uns über regennasse Straßen erneut nach Halle und haben noch einmal Parkplatz-Glück direkt am Landesmuseum für Vorgeschichte. P1080389

Generell können wir nicht empfehlen, hier mit dem Wohnmobil anzureisen. Ein Abstellen andernorts und Umstieg auf Fahrrad oder Straßenbahn sind hier erfolgsversprechender. Mit einem schmalen Campingbus bis 6 Meter Länge kann man sein Glück jedoch versuchen. Die Parkgebühr ist sogar recht moderat bei 0,50 € pro Std.

Wir haben es bereits geahnt, sind jedoch trotzdem frisch enttäuscht: Fotografieren verboten! Trauriges Smiley

Nun stehen wir der Himmelsscheibe endlich live gegenüber! In einem dunklen, fast schwarzen Raum, mit einem Sternenhimmel an der Decke ist sie in einer Art Schrank mit Sichtscheibe für Vorder- und Rückseite, schwach beleuchtet ausgestellt. Erst nach und nach gewöhnen sich unsere Augen an die immense Dunkelheit und wir bemerken erst nach einer Weile, dass hinter uns eine Museums-Aufsicht die Luft wegatmet.

Somit ist auch ein schnelles, heimliches, fies verwackeltes Foto mit dem Smartphone als persönliches Andenken ausgeschlossen. Auch wenn die hiesige Inszenierung gelungen ist und viele der Informationen, die wir aus dem Besucherzentrum von Nebra bereits kennen, an Schauwänden zu lesen sind, so sind wir doch froh, über den spielerischen Umgang mit der Materie in Nebra und über den Film aus dem Planetarium.

Die Strenge Nüchternheit, die so häufig im Museum herrscht, vermag uns nicht halb so zu begeistern, wie die Darstellungen in Nebra – auch wenn dort nur Nachbildungen zu sehen sind.

Nachbildung aus dem Besucherzentrum Arche Nebra

Nachbildung aus dem Besucherzentrum Arche Nebra

Auch der original Menhir der Dolmengöttin aus Langeneichstädt hat wenig Atmosphäre, wie er da so mitten im Raum auf einem halbhohen Podest im Stroh steht. Uns ist bewusst, dass die Artefakte nicht so ohne weiteres an ihren Fundorten sicher verwahrt oder ausgestellt werden können. Und dennoch würden sie dort jeweils eine größere emotionale Bedeutung entwickeln können. Jedenfalls vermissen wir eine gewisse Euphorie, als wir das Museum wieder verlassen.P1080391

Wir nehmen noch einen kleinen Umweg über den Stellplatz Fährstraße mit V/E in Halle und reisen mit Rosi nach einer Kaffee-Pause noch einmal zur Dolmengöttin (Nachbildung) nach Langeneichstädt. Wie erwartet können wir hier ganz einsam residieren. Der weite Blick über Felder gehört ganz uns. Nur vereinzelt nutzen noch ein paar Pkws die Straßen durch die Felder als Abkürzung irgendwohin, passieren uns einige Fahrradfahrer oder Hundebesitzer auf ihrer Abendroute. Dann bricht Dunkelheit herein und wir sehen in der Ferne die Lichter von Leuna und ein Meer von im Gleichtakt rot blinkenden Positionslichtern unzähliger Windräder. So stellen wir uns einen Übernachtungsort vor!

Do, 17. September 2015P1080550

Am nächsten Morgen verleiht die aufgehende Sonne diesem regengetränkten, geschichtsträchtigen Ort einen romantischen Anstrich, als die Eichstädter Warte im warmen Sonnengelb mit einem Regenbogen verziert wird.P1080545

P1080546Die letzten Regenwolken sind abgezogen und die Sonne bescheint unseren Weg nach Freyburg an der Unstrut. P1080556

Vom altstadtnahen Parkplatz „Altstadt Nord“ spazieren wir los, die weinberankten Häuser, P1080572 P1080573 P1080576

den Schmuck des Weinfestes vom letzten Wochenende P1080561 P1080565

und die nahen Weinhänge zu bewundern. P1080579 P1080583

Turnvater Jahn fand schon Gefallen an diesem Örtchen und verbrachte seine letzten Lebensjahre hier.P1080585

Um 11 Uhr nehmen wir an einer Führung der Sektkellerei Rotkäppchen teil. P1080590 P1080589 P1080630

Für 5 € p. P. werden wir über die Geschichte und Technik der hiesigen Sektherstellung informiert und erhalten als krönenden Abschluss ein kleines Glas gut gekühlten sehr süffigen Rosé-Sekt. P1080593

Der mit Glas überdachte Lichthof wird wegen seiner guten Akustik häufig für Konzerte und andere Veranstaltungen genutzt. P1080598

Das größte Cuveé-Eichen-Fass Europas (120.000 Liter), welches Zitate aus Schillers Glocke ziert, wurde nach dem zweiten Weltkrieg und während der DDR-Zeit leider nicht mehr regulär genutzt und verlor dadurch seine Dichtigkeit, da es austrocknete. Es gelang nach der Wende leider nicht mehr, die Dichtigkeit wieder herzustellen. P1080602

Mit dem Rütteln der Flaschen nach der traditionellen Flaschen-Gährmethode ist hier eine Kellermeisterin betraut.

P1080608 P1080610 P1080613 P1080615Nach einem Abstecher in das Souvenir-Lädchen werden wir aus dieser “Fantasie aus tausend Perlen” wieder hinausgespült.P1080617

Unser Weg führt uns zunächst weiter nach Bad Kösen. Leider hat sich die Sonne inzwischen wieder eine Auszeit genommen. Im Vergleich zu Freyburg ist die Bausubstanz hier lange nicht so ansehnlich hergerichtet. P1080636

Ein kurzer Spaziergang verleitet uns nicht zum Verweilen, so dass wir noch ein Stück weiterfahren, nach Thüringen hinein, bis nach Bad Sulza.P1080639 P1080649

Hier, am Ende der Weinstraße Saale-Unstrut, beziehen wir Stellung auf dem offiziellen Stellplatz am Gradierwerk für 8 € pro Nacht zuzüglich Strom (1 € 8 Std.). P1080655

P1080653Ein umgeknickter Fuß beendet die heutigen Spazier-Ambitionen. Zur nahe gelegenen Toskana-Therme muss man leider den Berg hinauf und das bei frisch wieder eingesetztem Regen. So bleibt das Treiben in Sole ein Gedanke für den nächsten Vormittag.

Über Volker

Hi, ich bin Volker vom Reiseblog UMIWO.

Ich bin als Teilzeitreisender seit 2005 mit dem Wohnmobil in Europa unterwegs. UMIWO versorgt Campingbegeisterte mit Reise- und Testberichten auf unterhaltsame, humorvolle und authentische Weise. Ich verbinde meine Internetaffinität mit meiner Leidenschaft, zusammen mit meiner Ehefrau mit dem Wohnmobil in Europa zu reisen. Da uns diese Reisen sehr inspirieren, möchte ich die Erlebnisse, Eindrücke und Emotionen in diesem Blog ausdrücken und so den “Spirit” mit anderen teilen. Feedback, Kommentare und Live-Kontakte bereichern darüber hinaus mein Wissen, Entwicklungsmöglichkeiten und setzen Anreize für künftige Ziele.

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