Ansichten zum „Wildcampen“ am Nord-Ostsee-Kanal

In Bezug auf Camping und Wohnmobile wird zurzeit mal wieder kein anderes Thema so stark in den Medien verbreitet wie das Thema „Wildcampen am Nord-Ostsee-Kanal“.

Alleine das Wort „Wildcampen“ empfinde ich in diesem Zusammhang als Provokation. Campen (also Camping) bedeutet doch in erster Linie in der FREIEN Natur zu stehen und diese zu genießen. Die Bezeichnung „Wildcampen“ ist doch erst im Zusammenhang mit einer Ordnungswidrigkeit zu sehen. Wenn ich mich mit meinem Campingbus in die freie Natur stelle, wo keine Verbotsschilder aufgestellt sind (was in vielen Regionen Deutschlands aufgrund des Schilderwaldes extrem  schwierig ist), ist das dann ja in erster Linie nicht verboten (hier kommt dann das Thema zur „Wiederherstellung der Fahrtauglichkeit“ her). Wenn ich aber Tisch und Stühle sowie Markisen etc. rausstelle und das wohlmöglich noch über Tage wird es schon verboten, da ja dann ein „campingähnliches Verhalten“ stattfindet, was in diesem Land halt nur auf dafür ausgewiesenen Flächen (wie Stell- und Campingplätze) erlaubt ist.

Soll dieses Camper-Vergnügen bald vorbei sein?

Soll dieses Camper-Vergnügen bald vorbei sein?

Also was tun am NOK und allen anderen schönen Gegenden Deutschlands in der „freien“ Natur? Man muss schon eine Menge Zeit aufwenden, um noch schöne freie Ecken zu finden, die nicht verboten sind. Ich will bald schon so weit gehen, dass es in West-Deutschland bald kaum noch Möglichkeiten gibt, „frei“ zu stehen.

Im Binnenland von Ost-Deutschland sieht das meiner Meinung nach anders aus. Die Bevölkerungsdichte in den ländlichen Gebieten ist extrem geschrumpft (Tendenz weiter fallend). Also mehr ins „wilde“ Ost-Deutschland fahren?

Freistehen an der Elbe bei Pirna

Freistehen an der Elbe bei Pirna – Feb 2014

Ein weiteres Problem sind meiner Meinung nach die „Langsteher“. Leute mit Wohnmobilen im Wert einer mittleren Eigentumswohnung stehen (natürlich kostenlos) über Tage wenn nicht gar Wochen auf inoffziellen Plätzen und ver- und entsorgen sich dann auf die verschiedensten (manchmal auch illegalen) Methoden. Diese wiederum blockieren andere Wohnmobilfahrer, die meist nur eine Nacht am gleichen Ort verbringen und dann weiterfahren.

Angeblich sollen nun schon zwei Gemeinden Parkverbote für Wohnmobile ausgesprochen haben, eine davon Gemeinde Burg (Dithmarschen) schon seit 2012.

Team UMIWO umringt von Dauerstehern - NOK bei Hochbrücke Hochdonn

Team UMIWO eingekeilt von „Dauerstehern“ – NOK bei Hochbrücke Hochdonn im August 2013

Da die Ressourcen zum „Wildcampen“, besser „Freistehen“, in den letzten Jahren, aufgrund der stetig steigenden Zulassungen (+ 4,6 %) an Reisemobilen, immer begrenzter werden, nehmen jetzt auch die Verbote und Schuldzuweisungen verschiedener Behörden und Betreiber von Camping/Stellplätzen zu.

Bildquelle (Ausschnitt): http://www.civd.de/statistik/marktanalyse/aktuelle-zahlen.html

Bildquelle (Ausschnitt): CIVD Caravaning Industrie Verband e. V.

 

Denn wo es mehr Camper gibt, steigen auch die Delikte der Leute, die sich falsch verhalten. Daher auch das typische Interesse der Medien, sich mal wieder auf das Thema „zu stürzen“ (Die Welt vom 1.8.2014 Wildcamper sorgen für Ärger am Nord-Ostsee-Kanal).

Durch Zufall sah ich kürzlich beim Zappen im Fernsehen im Boulevardmagazin „drehscheibe“ einen Bericht über die Probleme mit den Freistehern (zum 5 Minuten Clip in der ZDF Mediathek, beginnt ab Minute 27:08). Hier wird natürlich mal wieder auf typisch niedrigem Niveau das Thema kurz und heftig breitgetreten. Kurze Statements von den Behörden, Stellplatzbetreibern und den Campern werden sicherlich aus dem Kontext herausgerissen und verzerrt dargestellt. Am schlimmsten finde ich aber den Kommentar eines Campers: „Diese Leute, die in der freien Natur/Botanik stehen, sind für mich keine richtigen Camper. Entweder sind sie zu geizig oder nicht richtig würdig, Camper zu sein.

Bildquelle: ZDF Mediathek

Bildquelle: ZDF Mediathek

Sollte diese Meinung weit verbreitet sein, sollte sich jeder „Wildcamper“ wirklich überlegen, in Deutschland überhaupt noch zu campen und eher in andere Länder zu fahren, z. B. Norwegen oder Schweden. Wir werden in Kürze dem NOK mal wieder einen Kurzbesuch (1 bis 2 Nächte) abstatten und die Lage vor Ort sichten. Wir berichten dann natürlich hierzu.

Eine sehr informative und niveauvolle Diskussion findet sich auch im Forum der Reisemobil-Union, „Stellplatz oder frei stehen?“

"Wildcampen" am Nord-Ostsee-Kanal ;)

„Wildcampen“ am Nord-Ostsee-Kanal ;)

Wie gerne standen auch wir bisher öfter mal „wild“ am Nord-Ostsee-Kanal und schauten uns die Riesenpötte an. Warum sollen wir auf einen Stellplatz, Tür an Tür dicht mit anderen Wohnmobilen stehen und dafür auch noch mindestens 10 € pro Nacht zahlen?

Wohnmobilpark Schacht-Audorf

Wohnmobilpark Schacht-Audorf am 20.08.2011 – Alle Stellplätze vollständig besetzt

Für die Entsorgung von Toilette und Grauwassertank ist natürlich jeder Camper auf eine ausreichende Infrastruktur angewiesen. Und hier sehe ich das Kernproblem. Vielfach sind die V/E-Stationen in Stell- und Campingplätze „integriert“. Da sind uns unsere dänischen Nachbarn schon weiter voraus. Hier findet sich fast an jeder Autobahnraststätte eine Station, die meist KOSTENLOS genutzt werden kann. Warum geht das denn nicht auch in Deutschland?

Über Volker

Ich bin Volker vom Reiseblog UMIWO und als Teilzeitreisender seit 2005 mit dem Campingbus in Europa unterwegs. UMIWO versorgt Campingbegeisterte mit Reise- und Testberichten auf unterhaltsame, humorvolle und authentische Weise. Da mich das Reisen sehr inspiriert, möchte ich meine Erlebnisse, Eindrücke und Emotionen in diesem Blog ausdrücken und so den “Spirit” mit anderen teilen. Feedback, Kommentare und Live-Kontakte bereichern darüber hinaus mein Wissen, Entwicklungsmöglichkeiten und setzen Anreize für künftige Ziele. Mit über 550 Artikeln und über 2.500 Followern auf diversen sozialen Plattformen ist UMIWO ein in der deutschsprachigen Blogosphäre bereits seit 2010 geführter Blog.

2 Replies to “Ansichten zum „Wildcampen“ am Nord-Ostsee-Kanal”

  1. Immobilienbenutzer

    Mal eine Meinung von „der anderen Seite“:

    „Jede Freiheit findet ihr Ende dann, wenn sie überdehnt wird“. Inzwischen sind ein paar Jahre ins Land gegangen und „überdehnt“ ist schon gar kein passender Ausdruck mehr. Ich lebe in einer Urlaubsregion und die wenigen, als Rückzugsmöglichkeiten für Einheimische und FeWo-Gäste gedachten Stellen werden von Wildcampern geradezu geflutet. Aus dem gelegentlichen einzelnen Campingbus, der gern für eine Nacht an der Badestelle unserer kleinen Gemeinde (wo es auch Stellplätze gibt!) geduldet wurde ist zunehmend eine Invasion geworden.

    Vor 2 Jahren hat man deshalb ein Schild aufgestellt, das ein generelles Parkverbot für PKW mit Wohnanhängern und Wohnmobile auf dem Platz ausspricht, schon weil die Angelegenheit den Unmut der zahlreichen Campingplatzbetreiber in der unmittelbaren Umgebung erregte. Dieses Schild wird seitdem grundsätzlich in jeder Weise (es wird geparkt, übernachtet und gecampt) ignoriert und inzwischen tummeln sich dort besonders in den Ferienzeiten ganze Pulks von Campingfahrzeugen (inklusive Wohnwagen), packen ungeniert das Mobiliar aus, machen Feuer (im Naturschutzgebiet!) und hinterlassen weitaus mehr Dreck als die für Badegäste gedachte Infrastruktur aufnehmen kann und beanspruchen den für Einwohner und Tagesgäste der Gemeinde gedachten Parkraum für sich.

    Die Rechtslage zu sanktionieren ist auch nicht so einfach möglich, unsere winzige Gemeinde kann ja nicht einfach jemanden den ganzen Tag den Platz bewachen lassen oder jeden Tag die Polizei rufen, schon weil das eigentlich nicht unsere Art ist. Aber inzwischen bereitet das wirklich erhebliche Probleme und der allgemeine Unmut über Wohnmobilisten und andere Camper steigt auch in unserer Gemeinde gerade massiv an.

    Auch in der restlichen Region stellt die inzwischen enorm gestiegene Anzahl der Wohnmobile eine erhebliche Belastung für Einwohner und normale Feriengäste dar, weil der allgemeine Verkehrs- und Parkraum für deren Platzbedarf nicht ausgelegt ist. Mit anderen Worten – die gestiegene Anzahl an schwarzen Schafen liegt einfach daran, dass es insgesamt zu viele Schafe gibt und jetzt, wo auch noch die früher wohnmobilfreien Stellen ohne jegliche Rücksicht heimgesucht werden, hört man immer öfter sehr unfreundliche Worte für diese Art von Urlaubern im Allgemeinen.

    Dass man nicht immer irgendwo im Pulk stehen will kann ich ja sogar verstehen und vor Jahren hatte ich auch mal den Traum von so einem Vehikel. Inzwischen könnte ich es mir sogar leisten, es ist für mich aber einfach keine Option mehr – mit der Freiheit ist es zumindest hierzulande vorbei und es wird (ich muss leider sagen „hoffentlich“) noch mehr Regulierung geben und ich möchte ehrlich gesagt auch nicht mit besagter Urlaubergruppe verwechselt werden. Dafür dann auch noch 50-100k€ für ein Gefährt auszugeben mit dem man nur noch von einem Wohnmobilghetto zum anderen fahren kann ist mir die Sache sicher nicht wert. Für das Geld könnte ich auch den gesamten Rest meines Lebens jedes Jahr ein paar Monate Luxusurlaub incl. Mietwagen in jedem Land der Welt machen, müsste keinen Finger rühren und könnte mir die Schönheit der Natur genauso gut und wahrscheinlich auch zunehmend besser aus dem PKW heraus erschliessen.

    Meine Prognose: Die Wohnmobil-Blase könnte demnächst platzen. Just my 2c.

  2. Henry Trefz

    Jede Freiheit findet ihr Ende dann, wenn sie überdehnt wird. Wer nichts hinterlässt, was er (auch geruchlich) selber nicht vorzufinden wünscht, erzeugt auch keinen Widerwillen. Und zum Thema Dauerstehen gibt es die gleiche ewige Debatte wie zwischen den Dauer- und den Kurzzeitgästen auf Campingplätzen. Kommunen investieren in Stellplätze, wenn sich die richtige Initiative im Ortsparlament durchsetzt. Aber die Refinanzierung wird gern etwas vordergründig – eben über happige Stellplatzgebühren – gesehen, Frankreich ist/wäre auch hier ein Vorbild. Da interessiert hier aber keinen…

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