Erst heiss dann „schaurig“ schön: Stadtrundfahrt und TOTO Konzert in Dresden

Dörrobst im Doppeldecker, Lunch mit Luther und wasserfest bei TOTO

Etwas matschig starten wir den neuen Tag. In der vergangenen Nacht hat der Stellplatz die Nachteile der citynahen Lage herausgekehrt. Bis in die frühen Morgenstunden hat Partymusik und entferntes Gegröhle für einen Schlaf-Wach-Mix gesorgt. Dazu die warmen Temperaturen – wir haben schon mal besser geschlafen.

Am späten Vormittag drückt die Sonne schon kräftig und kündet bereits von den anrückenden Gewittern. Wir radeln eine kurze Strecke bis zum Stadtmuseum in der Wilsdruffer Straße, zum Startpunkt der 1,5 stündigen, großen Stadtrundfahrt in einem roten Doppeldeckerbus für 17  € p. P.

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Wer hoch hinaus sitzen will, muss aufgrund des samstäglichen Andrangs, früh einsteigen. Also braten wir mit einer illustren Ansammlung anderer Dresden-Interessierter rund 30 Minuten auf kleiner Flamme und schwitzen in die stoffbespannten Sitze (Gott sei dank kein Plastik!), bevor es los geht, Richtung Altmarkt.

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Rechter Hand ein kurzer Blick die Strasse hinab auf die Frauenkirche, bevor wir an der „Käseglocke“, Dresdens beliebtem Treffpunkt am Pavillon auf dem Postplatz,

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abbiegen zum Residenzschloss

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und der Semperoper.

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Am Zwinger treffen wir eine der alternativen Stadtrundfahrten: Pferd und Kutsche.

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Bei der Hitze heute keine wirkliche Alternative, denn der Fahrtwind strömt durch die halbhohen Fenster im Bus und kühlt das versammelte Dörrobst langsam wieder herunter 🙂

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Die vermeintliche Moschee ist eine gut getarnte, ehemalige Zigarettenfabrik. Sogleich erfahren wir, dass nicht nur die Filterzigarette in Dresden erfunden wurde, sondern auch Teebeutel und Kaffeefilter, der Bierdeckel, die Spiegelreflexkamera, die Milchschokolade und der Büstenhalter. Auch der Kreateur des Odol-Mundwassers war ein Dresdner Kind.

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Der goldene Reiter, August der Starke, am Neustädter Markt glänzt tatsächlich so stark, als würde ihm jeden Morgen liebevoll der Popo poliert!

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Wir rollen über das „Blaue Wunder“, die Loschwitzer Brücke, zwischen Blasewitz und Loschwitz, ein Wahrzeichen Dresdens. „Wunder“, weil der Bau so arg lang gedauert hat, dass es ein Wunder war, als sie endlich fertig wurde und „blau“, weil sie früher durch ihre blaue Farbe mit dem Himmel verschmelzen sollte. Bei den vielen Stahlstreben ein durchaus heeres Ziel, was nicht nur durch das längst verwitterte Blau auch an ein Wunder gegrenzt hätte. 🙂

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In den Elbauen schauen wir hinüber zu den Elbschlössern und fahren dann über die Waldschlösschenbrücke, jenem „Killer“ der Eigenschaft „Weltkulturerbe der UNESCO“, wieder hinüber auf die andere Elbeseite.

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Ein erzwungener touristischer Zwischenstopp an „Pfunds Molkerei“ verlockt uns aufgrund des Massenandrangs sowie des Fotografierverbots nur zu einem kurzen Abstecher in den Laden, um die handbemalten Fliesen zu bewundern. Eher begeistert uns der nebengelegene Softeis-Strassenverkauf. Zur schnellen Bratwurst, ein paar Meter weiter, reicht’s dann aber nicht mehr, da der Verzehr im Bus wohlweislich vorab untersagt wurde.

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Dann rollt der Sauna-Bus zur letzten Etappe, an den beiden ehemaligen Brückenstatuen , „dem ruhigen und dem wilden Wasser“ der Carolabrücke vorbei, zum großen Garten, am Stadion von Dynamo Dresden, dem Zoo vorbei und dem Dt. Hygienemuseum vorbei,  zurück zum Startpunkt.

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Nur ein kurzes Stück bemühen wir unsere Fahrräder, bevor nagender Hunger und die schwüle Hitze uns in den Neumarkt, vis-à-vis der Frauenkirche, direkt in die nächsten, beschatteten, gemütlich aussehenden Restsaurationsplätze sinken lässt.

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Während Luther noch überlegt, welche Speise wohl auszuwählen wäre, haben wir uns schnell für einen preiswerten sommerlichen Salat mit Rindfleischstreifen entschieden. ….so meinen wir jedenfalls. Unsere erhitzen Schaltzentralen haben dabei übersehen, dass wir auf der Sommerterrasse des Hotels „Steigenberger de Saxe“ Platz genommen haben.

P1140931Spätestens als sich das Rind als beachtliches Stück auf dem Salatteller präsentiert, unserer Bitte nach glutenfreiem Brot ganz unproblematisch nachgekommen wird und die umherhuschenden Kellner in Wallstreet-taugliche Anzüge gewandet sind, dämmert uns so langsam, dass die Rechnung heute wohl etwas üppiger ausfallen dürfte. Die erinnerlichen 10 – 13 € erscheinen uns nun doch eher unwahrscheinlich. Der kurz aufkommenden Panik, dass wir eventuell eine „Null“ übersehen haben könnten, können wir leider nicht durch einen Blick in die Karte begegnen, da uns diese direkt nach der Order abgenommen wurde….schluck!!! Auch das fein gekleidete Paar neben uns, vermag unsere leichte Nervosität nicht ganz zu dämpfen.  Erst eine Gruppe von leger bis nachlässig gekleideten fremdländischen Touris (wilder Vollbart mit offenem karierten Hemd über der gepiercten Brust) puffert den Verdacht, zu allem Überfluß auch noch underdressed zu speisen 😉
Während wir den wirklich vorzüglichen Salat verspeisen, geben wir uns dem visuellen Angebot an Touristen und Traffic hin. 🙂

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Zwei Getränke und ein gemeinsamer Salat machen uns dann zum Glück nicht arm, aber unser üblicher Preisrahmen für einen Mittagssnack liegt sonst deutlich unter 36 €! 😀
Für den Radweg zurück sind wir ob der ganzen Stadtrundfahrerei etwas orientierungslos und wegen der Hitze beim Bedienen des Handy-Navis etwas planlos und erreichen so nur mit knapper Not den Stellplatz am Blüherpark, bevor der erste Regenguss, eine Stunde früher als angesagt auf uns herniedergeht, Blitze zucken und bedrohliches Donnergrollen Dresden erzittern läßt. In der ersten Regenpause verstauen wir die Räder schnell in der Garage und beschließen, nach einem fussläufigen Parkplatz für das Konzert heute Abend zu suchen. Jetzt kennen wir uns ja in der Stadt aus 😉
Beim nächst gelegenen, wie ausgestorben daliegenden Aldi, tauschen wir noch etwas Geld gegen Vorräte. Offenbar haben sich alle Dresdner in Sicherheit gebracht.

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Rund 500 Meter von der Freilichtbühne Junge Garde entfernt finden wir genug Platz am Ende der Sackgasse Wiener Strasse, bei der Palucca – Hochschule für Tanz und verbringen hier den Rest des Nachmittags.

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Kritisch verfolgen wir das Wetterradar – noch sind wir voller Hoffnung, dass der Regen wenigstens kurz nach Beginn des Konzerts aufhören wird….
…zu dem wir gegen 18.30 Uhr mit Regenponchos, Schirmen und Sitzkissen bewaffnet, aufbrechen.
Um es kurz zu machen: es regnet! Immer wieder!  Kein Vergleich zum Vortag beim Konzert von Manu Chao an gleicher Stelle! Heute fehlen die Zaungäste auf den umliegenden Wiesen fast vollständig, bis auf eine kleine, eisenharte Gruppe, die sich mit Campingstühlen unter einem Baum gruppiert hat.  Und die Tageshitze wandelt sich allmählich, nach immer mehr Regen, in klamme Verdunstungskälte – kein Wetter was man sich für ein Open Air wünscht. Mit unserer Ausrüstung liegen wir im guten Mittelfeld. Es gibt viele, die außer einem T-Shirt, maximal noch eine leichte Jacke dabei haben. Angesichts nassgeregnete Holzbänke ist die Frau mit der Küchentuch-Rolle die gefragteste Person im Mittelblock der Tribüne 🙂

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Aber auch randvoll gepackte Wanderrucksäcke, aus denen Zweitjacke, Regenhose und Konzert-Proviant hervorgezaubert werden, sind zu bestaunen.
Das Konzert startet etwas verspätet gegen 20.15 Uhr. Wir schätzen gut 2.000 Besucher hat es heute in die 5.000 Personen fassende Freilichtbühne Junge Garde gelockt. Obwohl der Himmel wolkenverhangen ist, ist es für eine Wirkung der knapp gehaltenen Lightshow einfach zu hell. Die immer wieder einsetzenden Regenschauer drosseln insgesamt die Konzert-Stimmung. Naja, mit einem Schirm in der Hand, lässt es sich eher schlecht enthusiastisch klatschen. Oder der Regen läuft einem in die Ärmel wenn, wenn man die Hände unter dem Poncho hervorholt….

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Auf der Setlist stehen 5 Titel des sehr guten neuen Albums „XIV“.

Wir haben den Eindruck, dass nicht viele im Publikum mit den neuen Stücken vertraut sind, erst bei den alten Stücken kommt etwas Wallung auf. Nun liegt der Altersdurchschnitt auch etwas über dem unsrigen. Vermutlich hat es etliche in nostalgischer Erinnerung an früher hierher verschlagen. Dazu der nicht ganz günstige Eintrittspreis  und das Wetter….da hat heute nicht alles gut gepasst.

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Wie erwartet spielen TOTO auf hohem Niveau, sehr virtuos und professionell, eine abwechslungsreiche Songauswahl.

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Als Zugabe am Ende greifen sie mit „Africa“ das Wetter noch mal thematisch auf und singen: „I bless the rain down in africa“, bevor alle Zuschauer stehend applaudieren, TOTO verabschieden und dann triefend, durch Matschpfützen von Dannen ziehen.
Wir nehmen unseren Bus am Lenkrad, setzen noch mal zurück zum SP Blüherpark, dessen zweite Nacht wir ja bereits berappt haben, und verteilen unser nasses Equipment in der ganzen Wohnung, bevor wir ins Bett fallen und hinfortschlummern.

Fazit: Wir freuen uns sehr, TOTO noch einmal live gesehen zu haben. Wer weiß, ob und wann es dazu noch einmal kommt. Sie haben super gespielt. Aber die Location ist dermaßen wetterabhängig, dass wir das nächste mal dann doch wieder auf den Sitzplatz verzichten werden und uns lieber in einer heißen und stickigen Halle die Beine in den Bauch stehen…… – Moment mal, zuhause liegen doch bereits Karten für
„The Alan Parsons Live“ und zwar …… OPENAIR….in der Gilde-Parkbühne Hannover im August!

NEIIIIIIIIIIIIIN!!!! 😉


Link-Liste zum Bericht

Stadtrundfahrt Dresen im Doppeldecker-Bus

Erfindungen aus Sachsen

Pfunds Molkerei

Steigenberger de Saxe

Freilichtbühne Junge Garde

Stellplatz am Blüherpark

Gilde-Parkbühne Hannover im August

Über Volker

Hi, ich bin Volker vom Reiseblog UMIWO.

Ich bin als Teilzeitreisender seit 2005 mit dem Wohnmobil in Europa unterwegs. UMIWO versorgt Campingbegeisterte mit Reise- und Testberichten auf unterhaltsame, humorvolle und authentische Weise. Ich verbinde meine Internetaffinität mit meiner Leidenschaft, zusammen mit meiner Ehefrau mit dem Wohnmobil in Europa zu reisen. Da uns diese Reisen sehr inspirieren, möchte ich die Erlebnisse, Eindrücke und Emotionen in diesem Blog ausdrücken und so den “Spirit” mit anderen teilen. Feedback, Kommentare und Live-Kontakte bereichern darüber hinaus mein Wissen, Entwicklungsmöglichkeiten und setzen Anreize für künftige Ziele.

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3 Replies to “Erst heiss dann „schaurig“ schön: Stadtrundfahrt und TOTO Konzert in Dresden”

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